
Colour Codes
Farben haben kein Geschlecht
Mit ihrer Foto-Arbeit „Color Codes“ will Fotokünstlerin Tina Umlauf die Gesellschaft anregen, ihre Sehgewohnheiten zu hinterfragen.
Rosa versus blau, Kleid gegenüber Latzhose, schüchterne Haltung im Vergleich zur selbstbewussten Pose – auf den ersten Blick scheint offensichtlich, was die Aufnahmen von Diplom-Fotodesignerin Tina
Umlauf zeigen: Mädchen und Jungen, einander gegenübergestellt. Doch ist es wirklich so einfach?
Mit ihrer Arbeit „Color Codes“ greift Tina Umlauf ein Phänomen auf, das sich schleichend zu einer gesellschaftlichen Norm entwickelt hat, die die breite Masse längst akzeptiert: Mit der Farbe Rosa assoziiert sie Mädchen, mit der Farbe Blau Jungen. „Diese scheinbar festgelegte Farbzuordnung stört mich.
Ich will, dass die Menschen ihre Sehgewohnheiten hinterfragen und sie sensibilisieren, dass eine bloße Farbe noch lange nichts über das Geschlecht aussagt“, erklärt die Fotokünstlerin.
Aus diesem Impuls heraus, entstand ihr Fotoprojekt.


I bring
visions to life

Die Bilder zeigen Ganzkörper-Porträts von zehn Kindern. Von jedem Kind gibt es zwei Aufnahmen – einmal in rosafarbener Kleidung, einmal in blauer Kleidung. Rosagekleidet zeigt sie die Kinder niedlich und zurückhaltend – Charakteristiken, die in der Regel Mädchen zugeschrieben werden –, blau gekleidet wild und draufgängerisch – das stereotype Bild der Gesellschaft von Jungen. Die Idee dahinter: „Ich nutze die Klischees, um sie dann aufzubrechen“, sagt Tina Umlauf. Denn das Geschlecht des jeweiligen Kindes ist nicht eindeutig zu erkennen und wird auch an keiner Stelle aufgelöst – so bleibt es dem Betrachter überlassen, sich zu entscheiden oder zu fragen: Ist das wirklich wichtig? „Im ersten Moment hatte ich das Gefühl, ertappt worden zu sein“, gesteht Beate Schölermann, Gleichstellungsbeauftragte des Max-Planck-Instituts für molekulare Physiologie in Dortmund. „Ein Gedanke war: Ist das nun ein Mädchen oder ein Junge?“ Den Prozess, gerade dieses formelhafte Denken aufzubrechen, sich zu reflektieren, rege die Ausstellung an, so die Gleichstellungsbeauftragte – „und das ohne erhobenen Zeigefinger, die Bilder sprechen für sich“. Da die Fotoarbeiten zudem auf niedergeschriebene Erklärungen verzichten, sei das Projekt auch international verständlich. Wie festgefahren die Gesellschaft bereits in der Farbfalle steckt, erlebte Tina Umlauf bereits während ihrer Shootings: „Einige Eltern reagierten zögerlich auf das Outfit in der jeweils anderen Farbe. Ein Paar fragte ihren Sohn sogar mehrmals, ob es für ihn wirklich okay sei, die rosafarbene Kleidung anzuziehen.“ Das Verhalten der Erwachsenen habe sich schließlich auf die Kinder übertragen, sodass sie vor Ort erst einmal Überzeugungsarbeit habe leisten müssen – zum Glück mit Erfolg. „Da war der Einfluss der Eltern besonders deutlich.“ Doch gerade das habe sie zusätzlich bestätigt: „Wenn ich künstlerisch arbeite, dann widme ich mich Themen, die mich faszinieren, mir am Herzen liegen oder die mich ärgern und die ich in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken möchte, um sie zu ändern.“
The series presents full-body portraits of ten children. Each child appears in two photographs: one wearing pink clothing and one wearing blue. Dressed in pink, the children appear sweet and reserved—qualities that are traditionally associated with girls. Dressed in blue, they appear adventurous, energetic, and bold—the stereotypical image society often assigns to boys. "The idea is to use stereotypes in order to break them apart," says photographer Tina Umlauf. The gender of each child remains deliberately ambiguous and is never revealed, leaving viewers to make their own assumptions—or to ask themselves an even more important question: Does it really matter? "At first, I felt as though I had been caught in my own assumptions," admits Beate Schölermann, Equal Opportunities Officer at the Max Planck Institute of Molecular Physiology in Dortmund. "My immediate thought was: Is this a girl or a boy?" According to Schölermann, the exhibition encourages visitors to recognize and question precisely this kind of automatic thinking. "It invites self-reflection without being preachy—the photographs speak for themselves." Since the works are presented without explanatory texts, the project is also universally accessible and can be understood across cultures and languages. Tina Umlauf experienced firsthand how deeply society is influenced by gender-color stereotypes during the photo shoots. "Some parents hesitated when their child was asked to wear clothing in the 'opposite' color. One couple repeatedly asked their son whether he was really comfortable wearing pink." The adults' uncertainty soon affected the children, making it necessary for the photographer to reassure and encourage them before the portraits could be taken—fortunately with success. "In those moments, the influence of the parents became especially clear." For Umlauf, these experiences only reinforced the importance of the project. "When I create artistic work, I focus on subjects that fascinate me, matter deeply to me, or frustrate me—issues I want to bring into the spotlight in the hope of inspiring change."





















